Dienstag, 14. Dezember 2010

Das rote Stiefelchen

Es ist die goldrichtige Zeit, nach innen zu lauschen, in Kindheitserinnerungen einzutauchen, und zu erspüren, wo Resonanzen anklingen, was vielleicht etwas tiefer vergraben liegt als anderes und so weiter und so fort ;-)
Tief vergraben und zwar im hohen Schnee, war auch mein kleines rotes Stiefelchen, als ich - war es im Kindergarten? - oder doch schon in der ersten Schulklasse?, auf dem nachhause-Weg der Versuchung nicht widerstehen konnte, mal in die hohe Schneemauer zu stapfen, welche beidseits des Weges durch den Schneepflug aufgetürmt worden war. Ich stellte mir vor, das müsste doch mehr Spass machen, den Weg durch den hohen Schnee fortzusetzen als da, wo alles bereits fein säuberlich geräumt war...
Kaum stak ich aber drin in der dicken weissen Pracht - wurde es mir trotz der Kälte siedend heiss, weil ich merkte, dass ich mit meinen neuen schönen roten Stiefelchen darin einfach stecken blieb, nur mit den blossen Strümpfen wieder rauskommen würde. Meine verzweifelten Versuche, dieses Desaster noch abzuwenden waren nur halb erfolgreich, das heisst: es gelang mir, einen Stiefel zu befreien, aber der zweite steckte unerbittlich fest - da konnte ich mit meinen kleinen Händen nichts mehr ausrichten. 
Weil meine Eltern ziemlich streng und nicht gerade eben 'betucht' waren, ahnte ich nichts Gutes und schlich mit einem furchtbar schlechten Gewissen nachhause...wo meine Mutter sich bereits gewundert hatte, wo ich denn so lange steckte. Natürlich ging sie -nicht ohne vorheriges 'gehöriges' Geschimpfe mit mir gleich auf die Suche nach dem verlorenen Einzelgänger und es gelang ihr dann zum guten Glück, diesen ohne grosse Mühe zu befreien. Wäre das nicht der Fall gewesen, wer weiss, wie Weihnachten danach für  mich ausgefallen wäre! - Mit ein paar schwarzen Stiefelchen vielleicht??

* * *

Kommentare:

  1. Oh je was für ein schlimmes Erlebniss als Kind!
    Ich weiss aus eigener Erfahrung wie scheusslich man sich da fühlt, dabei wollte man doch nur seinem Forscherdrang nachgehen.
    Angelika

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  2. -Dennoch: hoffentlich wurde die Botschaft von der Foto-Collage über dem Beitrag ebenso spürbar wie dessen Inhalt: Es zeigt ein lächelndes Kind und ein seehr eigenwilliges kleines Mädchen, das gerade seiner eigenen Wege gehen will, die kleinen Hände zu Fäustchen geballt! Und später hat sich gezeigt, dass eine grosse Kraft in dem kleinen Mädchen wohnte, die ihm auch erhalten blieb - kann ich bezeugen ;-)

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